Vereinsgeschichte

Offizielle Vereinsgründung im Jahr 1892

Durch die Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts bedingt sind auch in unserem Dillkreis viele Menschen zum Glauben an Jesus Christus gekommen. Man suchte den Kontakt und die Gemeinschaft mit anderen Christen, was u.a. zur Gründung der „ ev. Männer- und Jünglingsvereine“ führte. In Allendorf schrieb man das Jahr 1892, als der damalige Allendorfer Hauptlehrer Müller den „ev. Männer- und Jünglingsverein Allendorf“ gründete. Phillip Müller war auch Mitgründer der „ev. landskirchlichen Gemeinschaft “ (1892) in Allendorf und des „ CVJM-Posaunenchores“ (1902) in Langenaubach. Leider liegen uns aus der Gründungszeit nur noch die beim CVJM-Westbund getätigte Anmeldung vor, die das Datum „ Dezember 1892“ aufweist. Eine Vereinschronik wurde damals noch nicht geführt. Man kann vermuten, dass ähnlich wie bei anderen Vereinen die eigentliche Gründung schon einige Jahre vor der Anmeldung beim Westbund erfolgte. Auf Anfrage wurde der schon erwähnte Hauptlehrer Müller als 1. Vorsitzender des CVJM Allendorf genannt. Weitere Vorstandsmitglieder waren Ferdinand Hudel, Wilhelm Würtz und Gustav Schol. Der Verein zählte damals 25 Mitglieder.


Beginn der Posaunenchor-, Jugendbund- und Jungenjungschararbeit Anfang des 20. Jahrhunderts

Um das Jahr 1900 folgte die Gründung des CVJM-Posaunenchores, wiederum auf Initiative von Hauptlehrer Müller hin. Die offizielle Anmeldung beim Westbund erfolgte allerdings erst 1934 durch den damaligen 1. Dirigenten Erwin Pithan.
1910 wurde schließlich der CVJM-Jugendbund gegründet, eine Kombination aus Eichenkreuzsportgruppe und Jungenschaft. Aus dem uns vorliegenden Gründungsstatut wird ersichtlich, dass die Arbeit damals sehr vaterländisch patriotisch gefärbt war (§1 „… damit unsere jungen Leute rechte Patrioten und Vaterlandsmänner werden …“). Der Jugendbund war damals im Besitz eines Schweberecks und anderer Turngeräte. Geturnt wurde im neuen Anbau des Vereinshauses und im Freien auf dem „Turnerplätzchen“ oberhalb des Transformatorenhäuschens. Der Mitgliederbeitrag betrug 5 Pfennig im Monat. Die Arbeit des Jugendbundes stand unter dem Leitvers Psalm 119,9: „Wie kann ein Jüngling seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält nach Deinen Worten.“; der auch zur Vereinslosung insgesamt wurde.
Die Jungenjungschararbeit begann 1925.


Die Arbeit des CVJM Allendorf während der NS-Zeit (1933 bis 1945)

Hauptlehrer Müller legte am 31. Oktober 1931 nach 39 Jahren sein Amt als 1. Vorsitzender nieder. Sein Nachfolger wurde Oskar Jost, der den Verein bis zum 29. Januar 1935 leitete. 1933 hatte der CVJM die Rekordzahl von 50 Mitgliedern erreicht. Doch schon 1934 machte sich die antichristliche Einstellung des Nazi-Regimes bemerkbar. Es folgen die dunkelsten und schwersten Jahre des CVJM, in der am 30. Januar 1935 Hermann-Ludwig Schol die Leitung des Vereins übernahm.
Die folgenden Beispiele sollen ein wenig von den Schwierigkeiten erzählen, die der CVJM damals hatte:
Laut Vertrag zwischen dem Reichsbischof und dem Reichsjugendführer wurde festgelegt, dass alle bis 18 Jahre alten Jugendlichen der ev. Männer- und Jünglingsvereine in die Hitlerjugend übernommen werden sollten. Daraufhin beschloss der Allendorfer CVJM am 27. Februar 1934 die Mitgliedschaft aller bis 18 Jahre alten Jugendlichen aufzuheben, um eine automatische Übernahme in die Hitlerjugend zu verhindern.
Am 24. August 1935 wurden die Instrumente des Posaunenchores vertraglich dem Privatmann Albert Ströhmann übereignet, um damit einer bevorstehenden Enteignung durch die Nazis vorzubeugen. Mitglieder des Posaunenchores wurden angezeigt, weil sie bei einem NS-Umzug durch das Dorf nicht mit den Posaunen spielen wollten. Andere Vereinsmitglieder bekamen eine Anzeige wegen Tragens der verbotenen CVJM-Eichenkreuz-Kluft. Der damalige Leiter des Posaunenchores Erwin Pithan kam wegen einer abfälligen Bemerkung über das NS-Regime ins Gefängnis und der 1. Vorsitzende Hermann-Ludwig Schol verlor wegen seiner christlichen Überzeugung seinen Arbeitsplatz bei der Staatsanwaltschaft.
Man muss auf der anderen Seite aber auch sagen, dass viele junge Männer des CVJM in die NSDAP übergetreten waren, was die Arbeit zusätzlich schwieriger machte.
Bis Anfang der 40er Jahre konnte mit einigen wenigen die CVJM-Arbeit noch fortgeführt werden, bevor sie dann vorübergehend eingestellt werden musste.


Neuanfang nach dem Krieg

Als es 1948 wieder losging, musste unter der Leitung von Ludwig Schol der Verein neu aufgebaut werden. Mit 10 Mitgliedern wurde die Arbeit damals wieder begonnen. 1949 wurden wieder Jungenjungscharstunden gehalten und ab 1950 fanden auch wieder Übungsstunden des Posaunenchores statt, der von Hermann-Ludwig Schol geleitet wurde.
Am 01. April 1955 übernahm Wilfried Schmitt den 1. Vorsitz des CVJM. 1957 wurde wieder mit Eichenkreuz-Sport begonnen und zwar in erster Linie mit Leichtathletik, Tischtennis, Feldhandball und Volleyball.
Fanden die Jungmännerstunden zunächst noch im Vereinshaus der ev. Landeskirchlichen Gemeinschaft statt, so traf man sich ab 1960 im neuen Jugendraum des ev. Gemeindehauses.


Mädchen als neue Zielgruppe der CVJM-Arbeit (Ende der 60er-Jahre)

Und noch ein Wechsel fand in den 60er Jahren statt. 1968 stürzte man sich in das „Abenteuer“, monatlich zwei Stunden mit dem Mädchenkreis gemeinsam zu halten. Die Sache lief so gut, dass seit 1970 die Stunden der jungen Männer und die des Mädchenkreises zusammengelegt sind. Aus diesem Zusammenschluss sind die Jugendstunden entstanden.
1976 wurde mit der Mädchenjungschararbeit in unserem CVJM begonnen. Federführend war damals Margarethe Triesch, die lange Zeit die Mädchenarbeit begleitete. Die Arbeit entwickelte sich so gut, dass relativ schnell die Mädchenjungschar in drei Altersgruppen aufgeteilt werden musste.
Es dauerte aber noch bis zum 1. Januar 1982, bis sich diese Veränderungen auch im Vereinsnamen niederschlugen. Aus „Christlicher Verein junger Männer“ wurde der „Christliche Verein Junger Menschen“.


Posaunenchor und Eichenkreuzsport von den 60er-Jahren bis zur Jahrtausendwende

Die Posaunenchorarbeit des CVJM wurde seit 1963 von Heinrich Bonorden geprägt, der seiner Aufgabe bis zu seinem Tode im März 2003 treu geblieben ist. Der CVJM hat ihm viel zu verdanken. Danach hat Jochen Bonorden die Leitung des Posaunenchores übernommen. Mittlerweile wurde die Posaunenchorarbeit mangels genügend Bläser eingestellt.
Im Eichenkreuz-Sport wurde 1973 in der neuen Mehrzweckhalle mit Hallenhandball begonnen. Anfang hielt sich unsere Mannschaft in der CVJM-Kreisrunde konstant am Tabellenende auf. Doch mit der Zeit verstand man es, den Ball auch mal öfters im Tor des Gegners unterzubringen. Handball wurde CVJM-Sport Nr. 1 in Allendorf. Der Zuspruch wurde so groß, dass 1980 sogar zwei Mannschaften aus Allendorf gemeldet werden konnten. Eine davon wurde sogar Vizemeister. Ende der 80er Jahre wurde die CVJM-Handballrunde auf Kreisebene eingestellt, was auch die Auflösung der Handball-Sparte in unserem CVJM nach sich zog.
Auch die Leichtathleten holten manch schönen Erfolg auf den CVJM-Sportfesten. Mittlerweile ist die wettkampforientierte Leichtathletikarbeit in unserem CVJM ebenfalls aufgelöst worden.


Blütezeit der CVJM-Arbeit (Anfang der 80er Jahre)

Anfang der 80er Jahre entstanden noch eine Reihe weiterer Gruppen unter dem Dach des CVJM. Ein Jugendsingkreis wurde gegründet und der Versuch gestartet, monatlich einmal eine Stunde für junge Erwachsenen anzubieten. Auch eine Jungenschaft war entstanden, die das Bindeglied zwischen Jungschar und Jungendstunde sein sollte. Sogenannte „Offene Abende“ wurden angeboten, wo man sich zum Spielen oder einfach zum geselligen Miteinander, traf. Der bis dahin unverbindliche Mitarbeiterkreis wurde 1982 durch einen festen und verbindlichen Mitarbeiterkreis abgelöst.
Alles in allem hatte der CVJM Allendorf Anfang der 80er Jahre seine Blütezeit. Man erreicht damals rund 80 junge Menschen, von denen knapp 60 Mitlieder im CVJM waren. Im März 1991 übernahm schließlich Ulrich Held den Vorsitz des CVJM von Wilfried Schmidt, der den Verein dankbarer Weise 36 Jahre vorbildlich leitete.


100-jähriges Vereinsjubiläum im Jahre 1992

1992 konnten wir unser 100-jähriges Bestehen feiern. Schon damals war erkennbar, dass sich vieles veränderte. Die Angebote für die Kinder und Jugendlichen wurden vielfältiger und die althergebrachten Werte und Strukturen änderten sich immer schneller. Das hatte natürlich auch Einfluss auf unseren Verein und die CVJM Arbeit.


Eintragung des CVJM Allendorf in das Vereinsregister (1994)

Im Jahre 1994 wurde unser CVJM Allendorf zu einem eingetragenen Verein. Damit verbunden waren die Anerkennung der Gemeinnützigkeit und auch ein offizielles Mitbenutzungsrecht des Gemeindehauses. Das war erforderlich durch die Aufgabe des Vereinshauses der landeskirchlichen Gemeinschaft. So hatten und haben wir bis heute noch ein zu Hause.


Der CVJM Allendorf im 21. Jahrhundert

In der Folgezeit wurde in Allendorf ein Verein zur Förderung des Gemeindelebens gegründet und damit verbunden kam es zur Einstellung von hauptamtlichen Mitarbeitern in der Gemeinde. Diese übernahmen teilweise die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen sowohl für die Kirchengemeinde als auch für den CVJM.
Neue Gruppen wie Mutter-Kind-Kreise, Klein-Kinder-Gruppen oder auch sportliche Gruppen wie unsere Jungscharsport-Gruppe oder Rückengymnastik-Gruppe kamen hinzu.
Traditionelle Gruppen wie Jungschar, Jungenschaft, Mädchenkreis und Jugendstunde wurden durch neue Konzepte ersetzt.
Regelmäßige Aktionen wie unser alljährliches Weihnachtsbaum-Sammeln und die Beteiligung an verschiedenen Veranstaltungen der Kirche gehören auch zu unseren Aufgaben.
2016 übernahm Tilo Benner den Vorsitz von Ulrich Held, der 25 Jahre dem Verein vorstand.
In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde wurde 2016 eine gemeinsame Mitarbeiterleitlinie erarbeitet. 2017 wurde eine neue Vereinssatzung erstellt.


125-jähriges Vereinsjubiläum im Jahre 2017

Mit einem fröhlichen Familiengottesdienst wurde im August 2017 unser 125-jähriges Vereinsjubiläum gefeiert. Der neue CVJM-Kreissekretär Björn Wagner hielt die Predigt über das Thema „Mit Jesus unterwegs sein“. Pfarrer Michael Böckner erinnerte an die Gründungszeit des CVJM Allendorf und rief den CVJM dazu auf, weiterhin „mit Jesus Christus mutig voran“ zu sein. In einem humorvollen Theaterstück ließen die beiden Vorstände Daniel Wolfseher und Tilo Benner die Gottesdienstbesucher an der Entwicklung des CVJM Allendorf im Wandel der Zeit auf humorvolle Art und Weise teilhaben. Anschließend wurde bei einem Fest um die Kirche mit Mittagessen und Kaffeetrinken weiter gefeiert. Die Kinder kamen bei einem Spieleparcours auf ihre Kosten.


CVJM Allendorf – bereit für die Zukunft?!

Anfang des Jahres 2018 wurde erstmalig eine eigene Homepage erstellt, bei der sich Vereinsmitglieder und Gäste über den CVJM und seine Angebote informieren können.
In Zukunft werden wir uns weiterhin den Herausforderungen stellen, wie man in unserer heutigen Zeit mit vielen schnelllebigen Veränderungen Kinder, Jugendliche und Erwachsene für die Inhalte des christlichen Glaubens gewinnen kann. Denn Stillstand bedeutet letztendlich Rückschritt. Wir werden immer wieder unsere Angebote an den Bedürfnissen unserer Mitmenschen neu ausrichten müssen. Das bedeutet, dass wir offen sein müssen für innovative Konzepte und uns möglicherweise von traditionellen Angeboten verabschieden müssen. Unsere inhaltliche Ausrichtung am Evangelium von Jesus Christus wird dabei unser geistliches Fundament bleiben. In diesem Sinne: „Mit Jesus Christus mutig voran!“


Übersicht über unsere bisherigen CVJM-Vorsitzenden

  • Philipp Müller (1892 bis 1931)
  • Oskar Jost (1931 bis 1935)
  • Hermann-Ludwig Schol (1935 bis ???)
  • Ludwig Schol (1948 bis 1955)
  • Wilfried Schmidt (1955 bis 1991)
  • Ulrich Held (1991 bis 2016)

Beitrag von Ulrich Held (leicht überarbeitet und ergänzt von Tilo Benner)